Den einen ist es zu warm, den anderen zu kalt – kaum ein Thema sorgt im Büroalltag so zuverlässig für Diskussionen wie die Raumtemperatur. Dabei ist ein angenehmes Raumklima weit mehr als eine Frage des Komforts: Es ist Voraussetzung für Wohlbefinden, Gesundheit und Produktivität am Arbeitsplatz. Welche Temperatur im Büro vorgeschrieben ist, regelt die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) zusammen mit der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 „Raumtemperatur“. Hier finden Sie alle Grenzwerte auf einen Blick – und erfahren, was Arbeitgeber konkret tun müssen.
Das Wichtigste in Kürze:
Stand: Oktober 2026 · Rechtsgrundlage: ArbStättV und ASR A3.5 (zuletzt geändert März 2022)
Im Büro muss die Lufttemperatur bei leichter, überwiegend sitzender Tätigkeit mindestens 20 °C betragen. Das legt die ASR A3.5 „Raumtemperatur“ fest, die die Arbeitsstättenverordnung konkretisiert. Die Mindestwerte hängen von der Schwere der Arbeit und der Körperhaltung ab:
Pausen-, Kantinen-, Sanitär- und Erste-Hilfe-Räume müssen während der Nutzung mindestens 21 °C erreichen, Waschräume mit Duschen 24 °C.
Wo wird gemessen? Die Lufttemperatur wird strahlungsgeschützt in 0,6 m Höhe (sitzende Tätigkeit) bzw. 1,1 m Höhe (stehende Tätigkeit) gemessen. Die Mindestwerte gelten während der gesamten Arbeitszeit – auch im Winter.
Was tun, wenn es im Büro zu kalt ist? Werden die Mindestwerte unterschritten, muss der Arbeitgeber gegensteuern: zuerst technisch (z. B. Heizung, Zugluftquellen beseitigen), dann organisatorisch (z. B. Aufwärmpausen) und zuletzt personenbezogen (z. B. geeignete Kleidung). Beschäftigte sollten das Problem bei Vorgesetzten, Betriebsrat oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit melden.
Die Raumtemperatur im Büro soll 26 °C nicht überschreiten. Ein generelles Arbeitsverbot bei Hitze gibt es nicht. Die ASR A3.5 sieht aber gestaffelte Pflichten vor, wenn die Außentemperatur über 26 °C liegt und sich der Raum trotz Sonnenschutz aufheizt:
Besonders betroffen sind Büros mit großen Glasflächen, Süd- oder Westausrichtung und vielen Wärmequellen wie PCs, Druckern und Menschen. Für Schwangere, ältere oder gesundheitlich vorbelastete Beschäftigte kann schon über 26 °C eine Gefährdung bestehen – die Gefährdungsbeurteilung ist dann anzupassen.
Gibt es Hitzefrei im Büro? Nein. Einen Anspruch auf Hitzefrei wie in der Schule haben Arbeitnehmende nicht. Sie können aber verlangen, dass der Arbeitgeber die Schutzmaßnahmen der ASR A3.5 umsetzt.
Ein gutes Raumklima ist kein Zufall, sondern das Ergebnis guter Planung. Schon regelmäßiges Stoßlüften verbessert es spürbar. Entscheidend ist außerdem, dass sich die Temperatur in einzelnen Räumen und in offenen Bürostrukturen zonenweise regeln lässt, denn das Temperaturempfinden ist so individuell wie die Menschen selbst – eine Standardlösung gibt es auch hier nicht. Am wirksamsten wird das Raumklima schon in der Büroplanung berücksichtigt: über die Anordnung der Arbeitsplätze zum Fenster, außenliegenden Sonnenschutz, eine sinnvolle Zonierung und abgestimmte Lüftungs- und Klimatechnik. Die ASR A3.5 nennt dazu konkrete Maßnahmen.
Grundsätzlich sind Fenster, Oberlichter und Glaswände so zu gestalten, dass eine ausreichende Tageslichtversorgung gewährleistet ist und gleichzeitig Blendungen sowie eine übermäßige Erwärmung vermieden werden. Führt die Sonneneinstrahlung jedoch zu einer Erhöhung der Raumtemperatur über 26°C, müssen die entsprechenden Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen ausgerüstet werden.
Eine direkte Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz gilt es unbedingt zu vermeiden. In der ASR A3.4 „Beleuchtung“ finden sich konkrete Anforderungen an einen effektiven Blendschutz an Fenstern, Oberlichtern und Glaswänden. Zu beachten sind dabei stets die Ausrichtung der Arbeitsräume und jeweiligen Fensterflächenanteile. Einen Sonnenschutz bieten darüber hinaus unter anderem Bepflanzungen, Vordächer, Balkone oder feststehende Lamellen.
Liegt die Außentemperatur über 26 °C und reicht der Sonnenschutz allein nicht aus, nennt die ASR A3.5 (Tabelle 4) beispielhafte Maßnahmen. Technische und organisatorische Maßnahmen haben dabei Vorrang vor personenbezogenen.
Technische Maßnahmen:
Organisatorische und personenbezogene Maßnahmen:
Achtung Schwüle: Maßnahmen, die die Luft kühlen und dabei befeuchten, dürfen laut ASR A3.5 folgende relative Luftfeuchte nicht überschreiten: 55 % bei 26 °C, 50 % bei 28 °C, 44 % bei 30 °C, 39 % bei 32 °C und 33 % bei 35 °C.
Einen Anspruch auf Hitzefrei haben Arbeitnehmende nicht.
Nein – die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet Arbeitgeber nicht, eine Klimaanlage einzubauen. Sie verlangt aber, dass die Grenzwerte der ASR A3.5 mit geeigneten Maßnahmen eingehalten werden. Ist eine Klima- oder raumlufttechnische Anlage vorhanden, muss der Arbeitgeber sie so einsetzen, dass Mindest- und Höchstwerte eingehalten werden, und sie regelmäßig warten und hygienisch prüfen lassen (Anforderungen enthalten u. a. die ASR A3.6 „Lüftung“ und die VDI 6022). Verschmutzte Anlagen sind ein Gesundheitsrisiko.
Da Mitarbeitende Temperatur unterschiedlich empfinden, sollte die Klimatisierung raum- oder zonenweise regelbar sein. Arbeitsplätze sollten nicht direkt im Luftstrom von Auslässen liegen. Als Faustregel aus der Praxis gilt, Räume nicht mehr als etwa 6 °C unter die Außentemperatur herunterzukühlen.
Tipp aus der Büroplanung: Ein gutes Raumklima entsteht nicht erst durch Technik. Wer Fensterorientierung, außenliegenden Sonnenschutz, Zonierung offener Flächen und Lüftung frühzeitig gemeinsam plant, hält die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung zuverlässig ein, steigert Wohlbefinden und Produktivität und senkt Energiekosten.
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Bei leichter, überwiegend sitzender Büroarbeit darf die Lufttemperatur laut ASR A3.5 nicht unter 20 °C fallen. Bei leichter Arbeit im Stehen oder Gehen liegt der Mindestwert bei 19 °C. Pausenräume müssen während der Nutzung mindestens 21 °C erreichen.
Die Raumtemperatur im Büro soll 26 °C nicht überschreiten. Ab 26 °C sollen, ab 30 °C müssen Arbeitgeber zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen und Getränke bereitstellen. Über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignet.
Laut ASR A3.5: wirksamer Sonnenschutz, Nachtauskühlung, Lüften am frühen Morgen, Geräte nur bei Bedarf betreiben, Gleitzeit, gelockerte Kleiderordnung, zusätzliche Entwärmungspausen, Ventilatoren und das Bereitstellen von Getränken. Technische und organisatorische Maßnahmen haben Vorrang vor personenbezogenen.
Nein. Arbeitgeber müssen keine Klimaanlage installieren, aber die Grenzwerte der ASR A3.5 mit geeigneten Maßnahmen einhalten. Ist eine Klimaanlage vorhanden, muss sie regelmäßig gewartet und hygienisch geprüft werden.
Nein, nicht bei sitzender Büroarbeit. Hier gilt laut ASR A3.5 eine Mindesttemperatur von 20 °C. Liegt die Temperatur darunter, muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen – zuerst technische, etwa die Heizleistung erhöhen oder Zugluft beseitigen.
Nein. Einen Anspruch auf Hitzefrei haben Arbeitnehmende auch bei über 30 °C nicht. Ab 30 °C muss der Arbeitgeber aber wirksame Schutzmaßnahmen nach Gefährdungsbeurteilung umsetzen und Getränke bereitstellen. Erst über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet.
Für sitzende Büroarbeit gelten 20 bis 22 °C als angenehm. Im Sommer sind bis etwa 25 °C üblich. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur der Rahmen: mindestens 20 °C, möglichst nicht über 26 °C.
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